Sonderpreis: Deutsche Telekom AG, Bonn
HITS – Handicapped Inhabitants in Technology Systems
Anlass für die Initiative (Problemstellung)
Telekom Training als Qualifizierungsdienstleister für Aus- und Weiterbildung innerhalb des Konzerns Deutsche Telekom setzt in der Ausbildung der IT-Auszubildenden in hohem Maße auf praktische Arbeiten bei Kunden. Durch die Erarbeitung von Lerninhalten in der Übungspraxis, vertieft sich das erlernte theoretische Wissen, welches in Form von Lernaufträgen und Modulen vermittelt wird. Problemstellungen, wie Sie vor Ort bei einem Kunden auftreten, müssen nicht unter komplizierten Laborbedingungen nachgestellt werden, sondern können unter realen Bedingungen bewältigt werden. Interessanterweise lassen sich dadurch nicht nur ausbildungsrelevante Fertigkeiten und Kenntnisse entwickeln, sondern es werden noch eine Reihe weiterer Ziele erreicht. Image, Innovation und wirtschaftliches Denken werden in der beruflichen Erstausbildung gepflegt. Kooperationen mit Bildungs- und Sozialeinrichtungen führen häufig zu Projekten, die den realen Bedarf spezieller Kunden betreffen. Im Projekt HITS wird geistig behinderten Menschen nicht nur eine gesteigerte Lebensqualität durch das Internet zur Verfügung gestellt, vielmehr werden sie durch Auszubildende in die Lage versetzt, das Medium sinnvoller und nutzbringend einzusetzen.
Zielgruppe und spezielle Zielsetzung
Zielgruppe in diesem Projekt sind Menschen mit Behinderungen, die in betreuten Wohnheimen karitativer Einrichtungen leben. Ein Kooperationspartner für betreute Wohnheime wünschte die Unterstützung durch Auszubildende bei der Umsetzung der gesamten Projektierung. Der eigentlichen Zielgruppe, Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, wurde zunächst die technische Möglichkeit gegeben, das Medium PC und das Internet zu nutzen. Dies wurde durch die Einrichtung eines behindertengerechten Internetcafés ermöglicht. Im weiteren Verlauf des Projekts wurde den Teilnehmern der Umgang mit der neuen Technik im Rahmen von Unterweisungen durch Auszubildende näher gebracht. Zielsetzung war auch die Steigerung der Medienkompetenz. Dies wurde durch Word- und Powerpointworkshops erreicht. Das Ziel, die Lebensqualität der Bewohner zu steigern, konnte durch diese Maßnahmen erreicht werden.
Charakteristika (Inhalt, Ablauf, Umsetzung und Dauer der Maßnahmen)
Der Einstieg in das Ausbildungsprojekt gestaltete sich spontan durch das Engagement der Auszubildenden. Durch die Möglichkeit des selbst gesteuerten Lernens in gewählten Ausbildungsprojekten wird eine stärkere Bindung des Teams der Auszubildenden an das Qualifizierungsziel erreicht. Gleichzeitig ist der persönliche Einsatz gefordert. Die verschiedenen Phasen beinhalten alles, was ein großes Projekt ausmacht. Die Verantwortung und Durchführung des Projekts liegt stets bei den Auszubildenden. Die Ausbilder stehen als Ansprechpartner und Lernbegleiter und in besonderen Eskalationsfällen zur Verfügung. Das Projekt HITS wurde von Februar 2002 bis zur Mitte des Jahres 2003 erstmals konzeptioniert und erfolgreich realisiert. Die Anerkennung führte zu gleichen Nachfolgeprojekten, in denen die ursprünglichen Konzepte an andere soziale Einrichtungen angepasst wurden.
Erfahrungen bei der Umsetzung
Alle Kompetenzfelder der Auszubildenden wurden gestärkt. Gerade die Ausbildung in realen Projekten, ein wichtiges Merkmal in der Ausbildung von IT-Systemkaufleuten und IT-Systemelektronikern, wurde hier optimal umgesetzt. Die im Projekt erfüllten Lernaufträge fördern die Kompetenzen in den fach- und handlungsorientierten Feldern. Weiterhin werden Sozialkompetenz und die persönlichen Kompetenzen der Auszubildenden im Rahmen dieses Projekts besonders gestärkt. Die Erfahrungen der Auszubildenden sind durch siebzig verschiedene praktische Lernaufträge weiter ausgebaut worden. Entscheidungsfreudigkeit und Entscheidungsfähigkeit wurden bei allen Projektmitgliedern entscheidend gestärkt. Schulungsteilnehmer zeigten bereits während der Realisierung Dankbarkeit und Kooperationsbereitschaft. Zum Abschluss des Projekts konnte durch Feedbackbögen der große Erfolg des Projekts evaluiert werden.
Welche innovative Wirkung hat Ihre Initiative für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland?
Die in der Theorie erlangten Fertigkeiten und Kenntnisse müssen schnellstmöglich in der betrieblichen Praxis manifestiert werden, damit das erworbene Wissen permanent anwendbar bleibt. Es geht hierbei weniger um reines Faktenwissen, sondern um die "Soft-Skills", die im Rahmen eines Ausbildungsmodells direkt trainiert werden. Als Ergebnis erhält man motivierte und engagierte, aber auch fachlich und methodisch starke Auszubildende.
Hat Ihre Initiative bereits bekannte Konzeptionen optimiert und wenn ja, in welcher Weise?
Die betreuende Betriebskraft außerhalb der Ausbildungseinheit ist in der Regel daran interessiert, einen Auszubildenden betriebsnah zu qualifizieren, damit er sich anschließend rasch und störungsfrei in den Arbeitsprozess einfügen kann und das notwendige Fachwissen des gewählten Bereichs sicher besitzt. Dies kann zur stark verengten Spezialisierung führen. Der entstehende Konflikt lässt sich durch HITS beispielhaft und optimal lösen. Auszubildende, die in diesem Projekt erfolgreich in der Lage sind, ihr Wissen und Ihre Erfahrung individuell zu steuern, steigern berufliche und fachliche Mobilität. Es beweist sich, dass Fertigkeiten durch praxisnahe Lernaufträge und gesteuerte Betriebseinsätze nachhaltiger erlangt werden, besonders unter dem Aspekt der sozialen Ausrichtung.
Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- bzw. Organisationsentwicklungskonzept eingebunden?
Die Initiative der betriebsnahen Projektarbeit im Ausbildungsprojekt HITS geschieht zum Nutzen der Auszubildenden und mit der Zielsetzung, das Unternehmen bei der Erreichung der betrieblichen Ziele zu unterstützen. Die Deutsche Telekom benötigt Personal, das in der Lage ist, Zusammenhänge schnell zu erfassen und Wissen und Erfahrungen eigenständig zu erarbeiten. Es muss in der Lage sein, flexibel auf neueste Anforderungen zu reagieren und ständig aktuelles Wissen vorzuhalten.
Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei?
Da HITS nahezu ausschließlich bei den Auszubildenden liegt, wird eine Steigerung der Eigeninitiative in den Kompetenzfeldern erreicht. Dieser Effekt wird deutlich, wenn zu beobachten ist, dass ein bestimmtes Vorgehen in einer Projektsituation noch einmal überdacht bzw. neu konzipiert wird, ohne dass eine Eskalation angestoßen werden muss. Feststellbar ist auch, dass die Auszubildenden angeregt wurden, ein passendes Zeitmanagement zu entwickeln und im Projektfortschritt weiter zu optimieren. Die Handlungskompetenz wird gestärkt. Die Möglichkeit Sachverhalte verantwortlich zu bewerten und zu priorisieren ist bei den lernenden Teammitgliedern besonders ausgeprägt. Ein bewusster Umgang mit den Berührungsängsten in der Zusammenarbeit mit behinderten Menschen ermöglichte es, Verbesserungspotentiale in der sozialen Kompetenz aufzuzeigen und eine Steigerung herbeizuführen.
Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet?
Im Ausbildungsprojekt HITS werden klassischen Lernaufträge und Lernmodule mit einem praktischen Projekt unter den besonderen sozialen Aspekten verknüpft. Auszubildende sollen durch die Einbindung in betriebliche Projekte in die Lage versetzt werden, Defizite eigenständig zu erkennen und zunächst mit eigener Anstrengung und dann erst mit der Hilfe der Ausbilder auszugleichen.
Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen?
Das arbeitsplatzbezogene Lernen nimmt im Rahmen dieser Lernform eine zentrale Rolle ein. Im Rahmen dieses Projekts stehen reale Kunden mit wirklichen Ansprüchen und Forderungen. Der Auszubildende steht dem Endkunden gegenüber.
Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt?
HITS wurde maßgeblich durch das Unternehmen entwickelt. Durch die in der Einrichtung des Kooperationspartners vorhandene wissenschaftliche Kompetenz im Umgang mit der Zielgruppe konnte ein methodisch hervorragendes Schulungskonzept erstellt werden.
Geben Sie den Kostenträger der Initiative an (ggf. externe Finanzierung aufführen).
Als Kostenträger für die Finanzierung des ersten Piloten wurde auf die Kooperationspartner (Franz-Sales-Haus) und die Stiftung für Wohlfahrtspflege NRW zurückgegriffen.
Ansprechpartner:
Deniz Demirci, Deutsche Telekom AG, Godesberger Allee 154, 53175 Bonn
