Weiterbildungsakademie der Hochschule Aalen GmbH, Aalen

Berufsbegleitend Studieren: Maschinenbau und Mechatronik – Ein maßgeschneidertes Studienmodell für beruflich Qualifizierte

Filmbeitrag zum Projekt

Anlass für die Initiative (Problemstellung)

Dass Praktiker nun studieren können, geht auf eine verwickelte Vorgeschichte zurück: Bereits 2007 empfahl die Kultusministerkonferenz den Ländern, Meister und Techniker zum Hochschulstudium zuzulassen. Daraufhin gab sich jedes Bundesland eine eigene Zugangsregelung. Mal wurde eine bestimmte Dauer der Berufstätigkeit vorausgesetzt, mal eine bestandene Zugangsprüfung.

Seit März 2009 ist die Aufstiegsfortbildung zum Meister oder Techniker gleichzeitig die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg haben die Vorlage schon umgesetzt. Das hat die Hochschule Aalen als Aufforderung verstanden, ein Angebot für diese Zielgruppe maßzuschneidern und gleichzeitig dem wachsenden Bedarf an gut ausgebildeten Ingenieuren in der Region Ostwürttemberg gerecht zu werden. Die Unternehmen der Region sind begeistert von diesem Weiterbildungskonzept für ihre Mitarbeiter.

Zielgruppe und spezielle Zielsetzung

Arbeitnehmer, die sich beruflich weiterentwickeln wollen, insbesondere Meister und Techniker.

Charakteristika (Inhalt, Ablauf, Umsetzung und Dauer der Maßnahmen)

Da es nicht möglich war einen berufsbegleitenden Studiengang innerhalb der Hochschule
anzubieten, wurde eine eigene gemeinnützige GmbH gegründet, die Weiterbildungsakademie der Hochschule Aalen GmbH. Gesellschafter ist der Verein der Freunde und Förderer der Hochschule sowie die Hochschule selbst. Die Organisation und Lehre wird unabhängig von der Hochschule über die GmbH organisiert. Die Prüfungen jedoch werden als sogenannte Externenprüfung von der Hochschule Aalen abgenommen. Dadurch ist auch der Studienabschluss Bachelor of Engineering derselbe wie im Vollzeitstudium. In Nebentätigkeit dozieren Professoren und Lehrbeauftragte der Hochschule nun am Dienstagabend, Freitagnachmittag und Samstag und gewährleisten so, dass die Lehrinhalte dieselben sind wie im Vollzeitstudium. Bewusst hat man sich für ein Präsenzstudium vor Ort entschieden, das für die Arbeitnehmer 8 Semester (beziehungsweise 4 Jahre) dauert.

Erfahrungen bei der Umsetzung

Seit September 2009 studieren 25 Berufstätige Maschinenbau beziehungsweise Mechatronik. Jeweils ein Drittel sind Meister, Techniker oder haben eine klassische Hochschulreife. Bisher zeigt sich, dass das Studium sich in den Berufsalltag integrieren lässt. Allerdings bleibt den Studenten nur noch wenig Freizeit. Erste Klausurergebnisse zeigen, dass es keine Korrelation zur Vorbildung gibt, das heißt Meister und Techniker schneiden ebenso gut ab wie Ihre Kommilitonen mit klassischer Hochschulreife. Dies ist ein erstes Indiz dafür, dass die Entscheidung Meister und Techniker zum Hochschulstudium zuzulassen absolut richtig war.

Welche innovative Wirkung hat Ihre Initiative für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland?

Das Konzept bringt eine ganz neue Zielgruppe an die Hochschule: Meister, Techniker und Praktiker, die Ihre Berufstätigkeit für ein Vollzeitstudium nicht unterbrochen hätten. Es ist ein wichtiger Schritt, um die Zahl der Hochschulabsolventen, vor allem in technischen Fächern zu erhöhen. Das Konzept wird auch anderen Hochschulen deutschlandweit zur Nachahmung angeboten. Die Rektorenkonferenz der Baden-Württembergischen Hochschulen hat das Konzept inzwischen als Vorlage für andere Hochschulen empfohlen.

Hat Ihre Initiative bereits bekannte Konzeptionen optimiert, und wenn ja, in welcher Weise?

Nein, das Konzept ist neu.

Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- beziehungsweise Organisationsentwicklungskonzept eingebunden?

Die Unternehmen der Region haben begonnen, das neue Weiterbildungsangebot aktiv in Ihre Personalentwicklungsstrategie einzubinden. Sie identifizieren geeignete Mitarbeiter, bieten finanzielle Unterstützung und steigern Ihre Attraktivität als Arbeitgeber, indem Sie Auszubildenden den Weg von der Ausbildung zum Hochschulabschluss anbieten können. Sie haben so die Möglichkeit qualifizierte Mitarbeiter langfristig an ihr Unternehmen zu binden.

Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei?

Ein Studium erfordert sehr viel eigenverantwortliches Lernen und vermittelt fachspezifische Handlungskompetenzen, das Rüstzeug um den vielfältigen Aufgaben und Anforderungen im Berufsleben gerecht zu werden.

Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet?

Präsenzstudium, Einzel- und Gruppenarbeiten, Projektarbeiten, Webbasierte Lehreinheiten, Planspiele, selbständige Recherche, und so weiter.

Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen?

In den Vorlesungen findet ein ständiger Transfer der Berufserfahrung statt. Aktuelle Problemstellungen aus den Unternehmen werden in Praxisprojekten bearbeitet. Anstelle des Praxissemesters gibt es in die Praxis eingebundene Projektarbeiten, die wissenschaftlich betreut werden.

Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt?

Das Konzept wurde von Professoren und Mitarbeitern der Hochschule Aalen entwickelt. Zusätzlich hat die GmbH einen beratenden Beirat mit Entscheidern aus Unternehmen der Region.

Wer ist der Kostenträger der Initiative? (gegebenenfalls externe Finanzierung aufführen)

Anschubfinanzierung von der Hochschule Aalen, der IHK Ostwürttemberg und der Südwestmetall.

Otto Wolff-Stiftung Deutscher Industrie und Handelskammertag e.V.
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
Breite Straße 29, D-10178 Berlin, infocenter@berlin.dihk.de, www.initiativpreis.de