Alfred Talke GmbH & Co. KG, Hürth

TALKE Junior-Akademie

Filmbeitrag zum Projekt

Anlass für die Initiative (Problemstellung)

Talke rekrutiert jährlich zirka  22 Auszubildende, davon 15 für die Berufe "Berufskraftfahrer" und Fachkraft für Lagerlogistik". Es zeigte sich in der Vergangenheit, dass Unternehmenserwartungen und Erwartungen der neuen Auszubildenden oftmals nicht zusammen passen und daher eine Fluktuation in der Probezeit stattfindet. Zudem scheint es immer schwieriger zu sein, Auszubildende zu finden, die sich der Verantwortung bewusst sind, wenn sie beispielsweise Gefahrgut-Handling im Lager betreiben oder Gefahrguttransporte durchführen. Gesucht werden Auszubildende, die souverän sind, die Verantwortung übernehmen wollen und die sich der Herausforderung "Berufsleben" aktiv stellen wollen.

Zielgruppe und spezielle Zielsetzung

Zielgruppe sind Schüler der 9. Klassen von Hauptschulen, die nicht notwendigerweise durch ihre schulischen Erfolgsnoten auf sich aufmerksam machen, sondern durch ihre Art und Weise, sich Herausforderungen zu stellen. Wenn sie das im Rahmen der Talke Junior-Akademie erkennen lassen, erhalten Sie am Ende der Talke Junior-Akademie automatisch einen Ausbildungsplatz im Unternehmen im gewünschten Ausbildungsberuf (Ziel 1). Gleichzeitig sollen aber auch die Schüler für sich erkennen können, ob die ihnen präsentierten Berufsbilder für sie attraktiv sind. Wenn nicht, dann hat die Talke Junior-Akademie dennoch dazu beigetragen, den Berufswunsch für diese Schüler deutlicher herauszuarbeiten und die bewusste Entscheidung für einen anderer Beruf ermöglicht (Ziel 2).

Charakteristika (Inhalt, Ablauf, Umsetzung und Dauer der Maßnahmen)

  • Verbindung mit Hauptschulen und dem Schulamt 
  • Erarbeitung eines gemeinsamen Anforderungsprofils, in dem das Potenzial, nicht die Noten der Schüler aus der Sicht der Lehrer eine wichtige Rolle spielt. 
  • Infoveranstaltung und Bewerbung 
  • Gespräche mit den Schülern zusammen mit den Studien- und Berufswahlkoordinatoren der Hauptschulen 
  • Durchführung von 13 Veranstaltungen mit 2-wöchigem Abstand im Rahmen der Talke Junior-Akademie. Innerbetriebliche Ausbilder vermitteln Wissen zum "Logistikdienstleister Talke" und zu den jeweiligen gewerblichen Berufen. Neben der Wissensvermittlung steht das praktische Handeln. Zu jeder Veranstaltung werden Fragen zu den jeweils vermittelten Inhalten gestellt, die daheim beantwortet und zur nächsten Veranstaltung mitgebracht werden müssen. 
  • Rückkoppelung mit den jeweiligen Lehrern, wenn erforderlich. 
  • Vier Projekttage im Unternehmen in den Ferien (die jeweiligen Berufe im Arbeitsalltag kennenlernen) 
  • Am Ende der Talke Junior Akademie: Rückkoppelung mit den Lehrern zu den Ein-drücken, die das Unternehmen von den Schülern gewonnen hat. 
  • Als Abschluss: Durchführung eines Abschluss Rigorosums als Gruppengespräch mit den Schülern zu allen ihnen vermittelten Inhalten (Dauer: 2 Stunden)
  •  Feierliche Überreichung der Ausbildungsverträge auf einer Abschlussveranstaltung.

Die Talke Junior-Akademie startet im März und endet vor den Herbstferien. Die Schüler haben, beginnend in der 9. Klasse, bereits 6 Wochen nach Beginn der 10. Klasse ihren Ausbildungsplatz – unabhängig von den später noch erzielten Noten.

Erfahrungen bei der Umsetzung

Hauptschüler sind ein schwieriges Klientel, das sich durch eine besondere soziokulturelle Konstellation auszeichnet. In vielen Fällen fehlt die elterliche Unterstützung, wenig produktive Rollenbilder werden eher gefestigt als hinterfragt. Der Einstieg ins Berufsleben ist meist angstbesetzt und von unklaren Vorstellungen geprägt.

Diese Menschen haben aber Potenzial. Das Potenzial zeigt sich nicht in den Schulnoten, es zeigt sich auf anderen Ebenen. Dieses Potenzial kann geweckt werden, wenn man sich als Unternehmen nur die Mühe macht, es zu entdecken. Talke hat ein Szenario geschaffen in dem Anerkennung, Wertschätzung und Respekt, sprich, der partnerschaftliche Umgang mit Menschen in einer schwierigen Lebenssituation, dazu geführt haben, dass diese Potenziale geweckt wurden und Auszubildende gefunden wurden, die sich auf ihre Ausbildungszeit und auf das Unternehmen freuen. Ohne die Verbindung mit den Schulen selbst und ohne die Unterstützung durch das Schulamt wäre dies nicht geschafft worden.

Welche innovative Wirkung hat Ihre Initiative für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland?

Die Initiative geht weg von den klassischen Praktika, in denen man mehr oder weniger berufsspezifisch seine Zeit verbringt. Den Schülern wurde ermöglicht, viele Menschen aus dem Unternehmen kennen zu lernen. Sie haben gelernt, wie diese Menschen "ticken" und sie haben in der Auseinandersetzung mit diesen Menschen ein Gefühl für das "Unternehmenssystem Talke" bekommen. Sie konnten das Zusammenspiel ihres Wunschberufs mit den unterschiedlichen Abteilungen sowie die vor- und die nachgelagerten Prozesse erkennen und dadurch auch ein Gespür für die Einbettung des jeweiligen Berufs in den Unternehmenskontext entwickeln. Dadurch konnten sie ihren Wunsch festigen, entweder ihren Wunschberuf zu ergreifen, diesen Wunschberuf bei Talke zu ergreifen oder den Wunsch nach einem anderen Beruf wach werden zu lassen.

Die innovative Wirkung besteht darin, auf die Schüler unabhängig von ihrem schulischen Notenspiegel zuzugehen und ihnen die Chance zu geben, für sich Klarheit in der beruflichen Orientierung zu bekommen – mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche falls gewünscht. Mit dieser Vorgehensweise wurden Schüler von der Straße geholt, die bei klassischem Vorgehen bei der Auswahl künftiger Auszubildender (Bestenauslese) durchs Raster fallen würden.

Hat Ihre Initiative bereits bekannte Konzeptionen optimiert, und wenn ja, in welcher Weise?

Die Optimierung besteht darin, dass nicht allein der interessierende Beruf betrachtet wird, sondern, dass eine Vermittlung zum gesamten Unternehmenssystem stattfindet, in dem der jeweilige Beruf seinen Platz hat. Im Prinzip erwerben die Schüler dadurch schon in einem sehr frühen Stadium eine gewisse Branchenkompetenz.

Des Weiteren wird keine Bestenauslese durchgeführt: Wer mag und (überfachlichen) Vorstellungen des Unternehmens trifft, erhält einen Ausbildungsvertrag.

Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- beziehungsweise Organisationsentwicklungskonzept eingebunden?

Die Talke Junior-Akademie ist ein Personalentwicklungsprogramm für die Schüler, die durch das Vorgehen und die besonderen Rahmenbedingungen recht subtil zur Berufsreife herangeführt werden.

Talke bemüht sich, alle Auszubildende am Ende der Ausbildung zu übernehmen. Mit der Talke Junior-Akademie sollen Menschen gewonnen werden, die auch an anderen Standorten eingesetzt werden können und deren Fähigkeiten weiterentwickelt werden können.

Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei?

Sie trägt in hohem Ausmaß dazu bei. Die Schüler werden nach der Schule in einem 2-wöchigen Abstand mit einem Bus abgeholt und zum Unternehmen gebracht. Die Veranstaltungen dauern zwischen 2 und 3 Stunden – danach fahren sie wieder mit dem Bus zurück zur Schule, bevor es nach Hause geht. Es gibt eine hohe Anforderung an die Konzentrationsfähigkeit und an die Belastbarkeit. Absprachen müssen getroffen werden, unternehmensinterne Ansprechpartner müssen bei Fragen oder im Falle von Verhinderung kontaktiert werden. Die Schüler müssen zudem Bewerbungen schreiben und sich in den Dialog mit den betrieblichen Ausbildern begeben – all das sind Dinge, die für sie neu sind und die zu tun erst einmal die Überwindung vieler Hemmschwellen bedeutet (Stichwort: Erwerb der Berufsreife durch das Erlernen innerbetrieblich erforderlicher sozialer Kompetenzen). Wer nicht den Willen und die erforderliche Motivation hat, wird den Weg der Talke Junior-Akademie nicht gehen.

In den Veranstaltungen selber müssen die Schüler Wissen aufnehmen und im praktischen Tun umsetzen sowie ihr Wissen daheim reproduzieren.

Nicht zuletzt müssen sie sich auf ein Rigorosum vorbereiten und dort Rede und Antwort stehen.

Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet?

Lehrgespräch, Gruppendiskussionen, Einzelcoaching, Anweisung und Unterweisung, Modelllernen, Vortrag.

Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen?

Initiator ist die Firma Talke, die das finale Konzept zusammen mit ausgewählten Hauptschulen aus dem Rhein-Erft-Kreis sowie dem Schulamt zusammen erarbeitete.

Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt?

Die messbaren Kosten bezogen sich auf das Sponsoring des Busses für den Transfer sowie auf das Catering für die offiziellen Veranstaltungen. Talke hat diese Kosten übernommen.

Wer ist der Kostenträger der Initiative? (gegebenenfalls externe Finanzierung aufführen)

Die messbaren Kosten bezogen sich auf das Sponsoring des Busses für den Transfer sowie auf das Catering für die offiziellen Veranstaltungen. Talke hat diese Kosten übernommen.

Otto Wolff-Stiftung Deutscher Industrie und Handelskammertag e.V.
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
Breite Straße 29, D-10178 Berlin, infocenter@berlin.dihk.de, www.initiativpreis.de