Deutsche Telekom AG
"Bologna@Telekom" – Berufsbegleitendes Studium
Anlass für die Initiative
Die Bologna-Reform wird erst dann zur Erfolgsgeschichte, wenn sie nicht an der Hörsaaltür endet. Hochschulen und Arbeitgeber sind gefordert, Hand in Hand zu arbeiten.
Die Initiative "Bologna@Telekom" – Berufsbegleitendes Studium wurde im Zuge des Bologna-Prozesses innerhalb der Deutschen Telekom gestartet, welcher mit der Zielsetzung der Schaffung eines neuen und einheitlichen europäischen Hochschulraums eingeführt wurde. Im Zuge der Staffelung des Studiensystems wurden die akademischen Abschlüsse Bachelor und Master auf europäischer Ebene implementiert.
Durch die Initiative des berufsbegleitenden Studiums wird das neue europäische Studiensystem in die internen Personalprozesse der Deutschen Telekom umgesetzt und trägt maßgeblich zur Entwicklung und Weiterbildung der Beschäftigten bei. Aus den drei verschiedenen Studienrichtungen Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre können die Studieninteressierten aus einer Vielzahl an Bachelor- und Masterstudiengängen an sieben verschiedenen Bologna-Partnerhochschulen des Konzerns wählen. Das speziell an die Bedürfnisse der Berufstätigen angepasste Studienangebot ermöglicht eine gezielte und nachhaltige Ausweitung der Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter für die Aufgaben sowie die Anforderungen der Zukunft.

Preisträger Deutsche Telekom AG / Bologna@Telekom;
v.l.n.r.: Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann, Markus Lecke, Eva Strube, Dr. Peter Körner, Christoph Obladen (Foto: David Ausserhofer)
Zielgruppe und spezielle Zielsetzung
Das Programm "Bologna@Telekom" richtet sich an Leistungs- und Potentialträger des Konzerns – mit und ohne Abitur! Dabei handelt es sich um besonders talentierte und leistungsstarke Mitarbeiter, die eine überdurchschnittliche Leistung erbringen sowie sich durch außerordentliches Engagement und bemerkenswerten Einsatz im Konzern besonders hervortun.
Mit diesem einzigartigen Angebot verfolgt die Deutsche Telekom das Ziel, zur persönlichen Entwicklung der Mitarbeiter beizutragen, langfristig die Beschäftigungsfähigkeit des Personals zu sichern und einen Beitrag zum lebenslangen Lernen zu leisten.
Weiterhin kann durch diese Initiative der unternehmensinterne Fachkräftebedarf gezielt gedeckt werden, indem die Potentiale von Leistungsträgern weiterentwickelt und nachhaltig ausgebaut werden. Zusätzlich trägt diese Personalentwicklungsmaßnahme dazu bei, kompetente und fachkundige Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und ermöglicht dadurch, dem zunehmenden Fachkräftemangel durch den Einsatz von unternehmensinternen hochqualifizierten Beschäftigten entgegenzuwirken sowie diesen in Zukunft zu kompensieren.
Charakteristika
Die Deutsche Telekom bietet ab dem Wintersemester 2011/12 für die berufsbegleitenden Studierenden des Konzerns 12 verschiedene Bachelor- und 13 Masterstudiengänge an, in für den Konzern bedeutsamen Studienrichtungen. Diese umfassen die Bereiche Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaftslehre, Informations- und Kommunikationstechnologie und Medien/Digital Pioneering. Die Regelstudienzeit der Bachelor-Studiengänge beträgt in der Regel drei Jahre und für einen Master sind zwei Jahre vorgesehen.
Bevor ein Bachelor- oder Master-Studium aufgenommen werden kann, muss von den Interessenten ein einheitlicher Bewerbungsprozess erfolgreich durchlaufen werden. Dieser beinhaltet auch eine ausführliche Beratung durch das betreuende Team Bildungspolitik und eine Abstimmung mit dem/der Vorgesetzten. Anschließend ist die Bewerbung um das Bologna-Stipendium der Deutschen Telekom notwendig, durch welches 50 Prozent der Studiengebühren konzernseitig getragen werden. Nach Erhalt der Förderzusage können die Studieninteressierten sich an der gewählten Hochschule bewerben und dort gegebenenfalls das vorgeschriebene Auswahlverfahren durchlaufen. Bei erfolgreicher Teilnahme kann anschließend der Studienvertrag an der Hochschule unterschrieben werden, woraufhin die Unterzeichnung des Fördervertrags mit dem Konzern erfolgt. In einem letzten Schritt wird die Immatrikulation an der Hochschule vorgenommen.
Die Teilnehmer am berufsbegleitenden Studium werden durch die Deutsche Telekom auch in zeitlicher aktiv unterstützt, um Studium, Beruf sowie Familie gut vereinbaren zu können. So werden die Mitarbeiter zehn Tage pro Studienjahr für Prüfungsvorbereitungen, Prüfungen et cetera freigestellt.
Die Initiative des berufsbegleitenden Studiums zielt vor allem auch darauf ab, Mitarbeitern ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung ein Studium zu ermöglichen und dadurch deren Potenzial voll auszuschöpfen. Die Bologna-Kooperationshochschulen der Deutschen Telekom wurden daher auch unter dem Gesichtspunkt ausgesucht, dass sie ein Studium ohne Abitur ermöglichen und fördern.
Die Studieninhalte des berufsbegleitenden Studiums sind praxisorientiert und das Angebot ist zeitlich optimal auf die beruflichen sowie studentischen Belange abgestimmt. Es besteht aus Selbstlern- und Vorbereitungsphasen mit umfangreichen Studien- und Übungsmaterialien. Diese bekommen die Studierenden von der jeweiligen Hochschule gestellt und erhalten bei der Erarbeitung der Studieninhalte Unterstützung in Form von Präsenztagen an den Standorten der Hochschulen beziehungsweise des Unternehmens. Für die Gestaltung von Selbstlern- und Vorbereitungsphase sowie die Präsenzphasen bieten die ausgewählten Kooperationshochschulen der Deutschen Telekom unterschiedliche Konzepte und Studienmodelle mit verschiedenen Lernvarianten an.
Der berufliche Alltag wird ergänzt durch eigeninitiatives Selbststudium nach Feierabend und an Wochenenden, wobei 15 bis 20 Stunden Zeitaufwand, zusätzlich zum beruflichen Arbeitsalltag, keine Ausnahme sind. Dieser Workload kann je nach unterschiedlichen Lerntypen und persönlicher Lernfähigkeit variieren.
Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet?
Für das berufsbegleitende Studium können die Beschäftigten der Deutschen Telekom zwischen drei verschiedenen Studienmodellen wählen:
- Zum einen gibt es das Präsenzmodell, welches wöchentliche Präsenzzeiten an der Hochschule beziehungsweise an einem ihrer Standorte vorsieht.
- Weiterhin besteht die Möglichkeit des Blockmodells, bei dem die Präsenzveranstaltung in mehreren Blöcken teilweise unter der Woche und am Wochenende stattfinden.
- Als dritte Variante kann ein Fernstudium absolviert werden, bei dem die Studierenden nur zu Semesterbeginn und -ende an Präsenzphasen an der Hochschule teilnehmen und sich darüber hinaus die theoretischen Lerninhalte eigeninitiativ im Anschluss an den beruflichen Alltag erarbeiten.
Zusätzlich setzen diese verschiedenen Modelle alle das Selbststudium voraus, bei dem die Studierenden sich aus eigener Initiative heraus den Lernstoff selbst erarbeiten und sich dabei die notwendigen Studieninhalte aneignen. Außerdem ist zum Teil die Methode des Blended Learning in den Studienablauf integriert. Zusätzlich findet an jeder Partnerhochschule eine individuelle Betreuung statt und die Studierenden erhalten gezielte Unterstützung durch die Dozenten.
Erfahrungen bei der Umsetzung
Die Initiative befindet sich seit dem Wintersemester 2009 in der Umsetzungsphase und startete zu diesem Zeitpunkt erstmals als Pilotprojekt mit rund 70 Studierenden an zwei Kooperationshochschulen. Das berufsbegleitende Studium ging zum Wintersemester 2010/2011 mit fast 200 Teilnehmern an vier Partnerhochschulen in die zweite Runde und stößt seitdem auf immer größeres Interesse.
Noch mehr Möglichkeiten stehen den Bewerbern für das kommende Semester offen, da das Angebot auf insgesamt sieben Hochschulen ausgeweitet wird, an denen aus 25 Studiengängen, erstmals auch englischsprachigen, gewählt werden kann. Zukünftig wird das Studienangebot dadurch immer interessanter und die Initiative ist somit ein Beispiel für eine Personalentwicklungsmaßnahme, die dem Unternehmen auf lange Zeit von Nutzen ist.
Die Ergebnisse der ersten anonymen Online-Befragung ergab sowohl bei den Studienanfängern 2010 als auch bei ihren Führungskräften eine hohe Gesamtzufriedenheit mit dem berufsbegleitenden Studium. Informationsprozess, Bewerbungsprozess, Auswahl der Hochschulen und der Studiengänge werden jeweils sehr positiv bewertet.
Wurde ein betriebliches oder gesellschaftliches Problem gelöst?
Die Initiative zielt vor allem auf die Integrierung der Bologna-Hochschulreform in die Personalprozesse der Deutschen Telekom ab und verfolgt die konkrete Umsetzung der darin enthaltenen Ziele im Konzern. Insbesondere steht dabei das Ziel der Durchlässigkeit und Chancengleichheit im Vordergrund, welches die Absicht verfolgt, jedem leistungsfähigen Mitarbeiter – ob mit oder ohne Abitur – die Möglichkeit eines akademischen Abschlusses zu eröffnen. Ein berufsbegleitendes Studium steigert die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter. Sie können ihr neu erlerntes theoretisches Wissen in der Praxis direkt in die Tat umsetzen sowie auf Aufgaben im Berufsalltag übertragen. Folglich ist es durch die Initiative möglich, den unternehmensinternen Fachkräftebedarf durch die gezielte Weiterentwicklung der Mitarbeiter zu decken und diese langfristig an das Unternehmen zu binden sowie laufend weiterzuentwickeln.
Mit der Initiative des berufsbegleitenden Studiums teilen sich Unternehmen und studierende Mitarbeiter ganz im Sinne einer neuen Weiterbildungsphilosophie den zeitlichen sowie finanziellen Aufwand. Das Unternehmen unterstützt die Beschäftigten aktiv durch zusätzliche zehn Freistellungstage und mindert dadurch die hinzukommende zeitliche Belastung. Außerdem trägt die anteilige Förderung von 50 Prozent der Studiengebühren maßgeblich zu einer finanziellen Entlastung der berufsbegleitenden Studierenden bei.
Ist Ihre Initiative auf andere Unternehmen oder Branchen übertragbar?
Vor allem in zukünftiger Hinsicht stellt diese Weiterbildungsmaßnahme ein attraktives Angebot für motivierte Mitarbeiter dar, die sich neben dem Beruf freiwillig weiterbilden möchten.
Die Initiative des berufsbegleitenden Studiums bei der Deutschen Telekom lässt sich gut auf andere Unternehmen oder Branchen übertragen und ähnliche Initiativen können schon in anderen Betrieben beobachtet werden. Das Konzept von "Bologna@Telekom" ist bisher einmalig und bei keinem anderen Unternehmen in gleicher Systematik, in gleicher Breite und Tiefe sowie mit einer ähnlichen sowohl zeitlichen als auch finanziellen Förderung und einer mit dem Sozialpartner abgestimmten Konzernregelung, wiederzufinden.
Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- beziehungsweise Organisationsentwicklungskonzept eingebunden?
Die Initiative komplettiert die Personalentwicklungs-Pipeline des Konzerns und ergänzt insbesondere die Bildungsmaßnahmen, die den Beschäftigten während ihrer beruflichen Laufbahn zur Auswahl stehen. Speziell Mitarbeiter, die schon eine praktische Tätigkeit bei der Deutschen Telekom ausüben und beispielsweise mit einer dualen Berufsausbildung eingestiegen sind, haben durch diese Bildungsinitiative die Möglichkeit, sich neben dem Beruf weiterzubilden.
Früher war die Aufnahme eines Studiums nach dem Start in die berufliche Tätigkeit häufig mit dem Jobverlust verbunden, da noch keine geeigneten Programme angeboten wurden, die auch berufsbegleitend absolviert werden konnten. Heute erleichtert der Konzern ein Hochschulstudium entscheidend, indem er durch seine Förderung zu einer finanziellen sowie zeitlichen Entlastung der Mitarbeiter beiträgt.
Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei?
Das berufsbegleitende Studium trägt maßgeblich dazu bei, die Selbstständigkeit der Mitarbeiter weiterzuentwickeln und nachhaltig auszuweiten. Durch die notwendige Eigeninitiative, die sie für die Erarbeitung der Studieninhalte zusätzlich zum beruflichen Alltag bei der Deutschen Telekom erbringen, eignen sie sich ganz besonders eine große Selbstdisziplin an, die zusätzlich einen Mehrwert für den Beruf mit sich bringt. Der Erfolg im Studium ist ein weiterer Motivationsfaktor, der die Studierenden im Beruf bei der Lösung ihrer Aufgaben im Arbeitsalltag unterstützt und vorantreibt. Insbesondere werden Zeitmanagement und Eigenorganisation nachhaltig ausgebaut und die Beschäftigten können ihre neuen Kompetenzen direkt auf den Job übertragen. Dadurch wird insgesamt die Handlungskompetenz deutlich verbessert und zukünftig ist eine Übernahme von komplexeren Aufgabenfeldern möglich.
Weiterhin werden die Mitarbeiter durch den Eigenanteil von 50 Prozent der Studiengebühren, die sie selbst tragen müssen, zusätzlich motiviert und entwickeln eine besonders hohe Motivation, das Studium erfolgreich zu absolvieren. Persönliche Gespräche mit den berufsbegleitenden Studierenden lassen eine ausgesprochen hohe Lern- und Leistungsbereitschaft erkennen. Somit trägt diese Weiterbildungsmaßnahme ausschlaggebend zur Motivationssteigerung des Personals sowohl in Studium als auch in Beruf bei und erhöht die Eigenverantwortung ganz besonders durch den finanziellen Eigenanteil, den die Studierenden in die eigene Weiterbildung investieren.
Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen?
Mithilfe des berufsbegleitenden Studiums besteht für die Beschäftigten des Konzerns die Möglichkeit, sich zum einen individuell weiterzuentwickeln und die eigenen Wissensstärken durch ein Hochschulstudium auszubauen. Zum anderen können die Mitarbeiter aber auch in neue Bereiche einsteigen und ihr eigenes Wissensspektrum maßgeblich erweitern. Grundsätzlich trägt die Initiative entscheidend zur Weiterentwicklung und zum unternehmensinternen Lernprozess der Beschäftigten bei.
Ganz besonders wichtig ist dabei auch die Übertragung des Gelernten auf den Arbeitsalltag und die Anwendung neuer Kompetenzen bei der Lösung der eigenen Aufgabenfelder im Unternehmen. Die angebotenen Studiengänge sind methodisch und didaktisch auf das arbeitsplatzbezogene Lernen ausgerichtet.
Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt?
Das Konzept wurde unternehmensintern von Mitarbeitern im Bereich der Personalentwicklung der Deutschen Telekom entwickelt und implementiert. Zusätzlich wird die Initiative laufend erweitert und durch neue Partnerhochschulen sowie weitere Studiengänge kontinuierlich ausgebaut.
Wer ist der Kostenträger der Initiative?
Die 50 Prozent der Studiengebühren, die für die Förderung des berufsbegleitenden Studiums anfallen, werden in ihrer Gesamtheit zentral vom Personalentwicklungsbereich der Konzernzentrale getragen. Das Gleiche gilt für die zehn zusätzlichen Freistellungstage.

